Wie berechtigt ist der Hype um Online-Medien für das Marketing?
[English language version hereunder]
Immer mehr Menschen halten sich auf Facebook, LinkedIn, Twitter und weiteren sogenannten sozialen Netzwerken auf. Unumschränkter Spitzenreiter ist Facebook mit 1 Milliarde Freunden. Freunden? Ein Kollege hat mich kürzlich auf die Grundbedingung eines Netzes aufmerksam gemacht: Es muss an mindestens 3 Punkten aufgehängt sein, damit sich ein Fisch darin verfangen kann. Aber die Realität von Medien wie den genannten ist, dass wir normalerweise nur mit einem Dialogpartner «sprechen». Hier entsteht selten ein kreativer Dialog unter Gleichgesinnten, aber meist ein Monolog, der nur den Lärm im Internet vergrössert.
Ein heller Kopf hat einmal gesagt, dass sämtliche unserer Online-Aktivitäten stets das eine und immer das gleiche finale Ziel verfolgen: Dass wir uns in der realen Welt treffen. Ganz richtig.
Wir werden von Kunden regelmässig vor die Aufgabe gestellt, eine Kommunikations- und Akquise-Kampagne für die Top-500 oder die Top-1000 oder die Top-5000 werbetreibenden Unternehmen zu entwickeln.
Für Konsumgüter ist das Netz und hier soziale Medien sicher ein dankbarer Kanal, weil man, anders als im Print, den Response direkt messen kann. Und weil sich das Internet wie kein anderes Medium dazu anbietet, was man mit Crowd-Sourcing beschreibt. Tatsächlich bietet das Worldwide Web ungeahnte Möglichkeiten, den Kunden zu Wort kommen zu lassen und das ist auch heute immer noch, bei einem entsprechenden Kostenaufwand, die beste Taktik für Ihren Verkauf.
Anders sieht es aus für Unternehmen und Marken, die im Business:to:Business Geschäft tätig sind, aus. Für sie sind Kampagnen in sozialen Netzwerken normalerweise zu teuer und der sogenannte Streuverlust hoch. Wer an einer effizienten und effektiven Marketingstrategie, die tatsächlich verkauft, interessiert ist, der hält sich am besten an einige bewährte Grundregeln der Kommunikation:
Marke: Jeder Tor kann einen Preisnachlass geben, aber es braucht Intelligenz und Stehvermögen, um eine Marke zu bilden.
David Ogilvy hatte recht: Bei der Entwicklung einer Markenkampagne lohnt es sich, sich zu fragen, wo Sie mit Ihrer Marke in 5 Jahren sein möchten. Und mit welchen Mitteln dieses Ziel zu erreichen ist.
Public Relations: Was viele Unternehmen missverstehen ist, dass Kommunikation keine Einbahnstrasse ist, sonst ist es ein Monolog. Und: Gute Kommunikation ist der Schlüssel zu einer angemessenen Wahrnehmung der Marke, aber kein Zauberrezept, um für ein mangelhaftes Produkt Kosmetik zu betreiben. Schweigen ist manchmal die effizienteste Kommunikation. In den Worten von Helga Schäferling: Manchmal muss man ganz leise sein, um gehört zu werden.
Internet: Grenzen des Wachstums. Die Wachstumsraten der globalen Online-Werbeausgaben stiegen zwischen 2011 und 2014 (Prognose Go-Gulf.com) um 17.2%, 17.5%, 12.7% und 12.9%. Dies im Gegensatz von Wachstumsraten von um die 1% in der Printwerbung. Das Bild zeigt ein überproportionales Wachstum von Online- verglichen mit Printwerbung. Gemäss Prognose werden im 2013 106.1 Milliarden US Dollar für Online-Werbung und 552.5 Milliarden für übrige Medien eingesetzt. Es erstaunt nicht, dass die USA und das Vereinigte Königreich und Kanada zu den Ländern mit den höchsten Online-Ausgaben gehören. Die angelsächsichen Länder sind in Marketing und Technologie den übrigen Ländern jeweils voraus. Der Löwenanteil der Werbung entfällt allerdings immer noch auf Fernsehwerbung, das heisst sie wird für Konsumgüterwerbung ausgegeben. Konsumgüterwerbung aber ist teuer, Unternehmen im Business:to-Business Geschäft haben in der Mehrzahl keine entsprechenden Werbebudets zur Verfügung.
Soziale Netzwerke: Flüster, flüster. Nur rund 10% aller «Gespräche» werden Online geführt, Der Löwenanteil aber verteilt sich auf Partner (27%), Familienmitglieder (25%) und Freunde (10%). Das zeigt: Face:to:Face Kommunikation ist immer noch die beliebteste und wird es auch bleiben. Dazu kommt, dass Online-Medien in ihrer Geschwindigkeit und den Kosten anderen Medien zwar überlegen sind, dass damit aber auch die Fallgruben für nicht Geübte ansteigen. Dies musste ein Mitglied der Popbranche, quasi die Erfinderin der Public Relations, ex-Spice-Girl Geri Halliwell schmerzlich erfahren. Als sie die Leistungen der ehemaligen britischen Premierministerin Margareth Thatcher nach deren Tod publizitätsträchtig zu verklären suchte, musste sie einen kläglichen Rückzug antreten. Sie hatte die Stimmung ihrer Fangemeinde falsch eingeschätzt, als sie twitterte: «Thinking of our first lady of girl power, Margaret Thatcher, a grocer’s daugther who taught me anything is possible». Die Proteste ihrer Fangemeinde, die umstrittene ehemalige Politikern mit dem Signet der «Girl-Power» zu verklären, waren so massiv, dass Halliwell den Twitter zurückziehen musste.
Wer soziale Netzwerke im Marketing einzusetzen gedenkt, tut gut daran, sich zu überlegen, ob er das mit professioneller Unterstützung tun will. Wie bei jeder guten Kommunikation gilt der Grundsatz: Nicht viel sagen, sondern das Richtige. Und für jede Online-Marketingkampagne, Internet und soziale Netzwerke gilt: Jene Strategie ist am erfolgreichsten, die verschiedene Kanäle integriert.
P.S: Was unsere Kunden am meisten beschäftigt, ist allerdings in der Regel die Frage: Woher kommt der nächste Verkauf? Die Antwort darauf liefern normalerweise nicht soziale Netzwerke oder die Marketingabteilung. Sondern Ihre Verkäufer. Wir schulen sie. Sprechen Sie mit uns darüber.
Urs Seiler / www.smartville.ch







